Brotzeit unter Baumriesen
Der Burgberg in Erlangen hat mehr zu bieten als die Bergkirchweih
Zwölf Tage über Pfingsten sind in Erlangen Ausnahmezeit. „Der Berg ruft“ heißt es, und Tausende strömen zur Bergkirchweih. Das Bier, den Rummel, die Geselligkeit – das können in der ganzen Tiefe des Gefühls nur Eingeborene wirklich verstehen. Aber die Zugezogenen machen gerne mit, wenn junge und junggebliebene Leute auf Bierbänken tanzen und sich an Buden und Karussells entlang der Keller verlustieren.
Bergkirchweih seit 260 Jahren
100 X VERFÜHRT NÜRNBERG, FÜRTH,
ERLANGEN
100fach Erlebenswertes aus den drei mittelfränkischen Städten jenseits der
Touristenpfade, 223 Seiten
ars vivendi verlag, 14,90 Euro
ISBN 978-3-86913-183-2
Das hat Tradition: 1755 wurde die erste Bergkirchweih in Erlangen gefeiert – ganz nahe beim Bier, denn hier lagerten die ortsansässigen Brauereien den süffigen Gerstensaft. 1675 war der Erich-Keller in den Berg getrieben worden, später wurden 16 weitere Stollen gebaut. Der Henninger Keller führt mit 861 Metern Länge sogar unter dem ganzen Berg hindurch. Weil aber alle Keller, mit einer einzigen Ausnahme, nur zur Kerwa bewirtschaftet werden, gilt dieser Tipp dem ruhenden Berg. Ein Naturidyll, hinter dem die Stadt verebbt.
Große Kunst im Skulpturengarten
Wer die Bergstraße hinangestiegen ist, wendet sich nach rechts und flaniert „An den Kellern“ einige hundert Meter weit unter den Bäumen. Der Eingang zum Burgberggarten liegt linker Hand, über eine Treppe gelangt man in dieses gepflegte Paradies. Flieder blüht, Bienen summen und im grünen Gras stehen die monumentalen Skulpturen von Heinrich Kirchner, dem in Erlangen geborenen Bildhauer (1902–1984). Zwischen dem Wächter im Garten Eden, dem Mann im Boot oder dem Friedensboten herrscht himmlische Ruhe. Bänke laden zum Verweilen ein. Der richtige Platz, um sich mit einem guten Buch niederzulassen. Zurück führt der Weg den Hang hinauf zum Bild des Hoffens und von dort aus westwärts, wo kleinere Figuren ausgestellt sind, und dann den Enkesteig hinab.
Traditionell: der Entlaskeller
Wer mag, kehrt sogleich im Entlas Keller ein. Es gibt knusprige Schweinshaxe mit Sauerkraut, Ente mit Kloß und Blaukraut und was das Herz sonst begehrt. Wie in allen bayerischen Biergärten aber ist auch am Burgberg Brauch, dass die Besucher ihr Essen mitbringen dürfen – und nur das Bier dazu kaufen müssen. Echte Erlanger packen deshalb den Radi und Tomaten, Sülze und ein Stück Käse ein, nehmen beim Brezen Meyer oder der Bäckerei Gulden eine frisch gebackene Breze mit und genießen im Schatten unter Kastanien und Linden das Leben.
Entlas Keller
An den Kellern 5-7, 91054 Erlangen
Öffnungszeiten: April bis zum letzten Sonntag im September tägl. 11:00-23:00 Uhr
Sonntag 11:00 Uhr Führung in die Keller
Guldens Bergstube – Café-Bistro-Bäckerei
Bergstraße 1, 91054 Erlangen
Öffnungszeiten: Montag, Donnerstag-Samstag 7:00-20:00 Uhr, Sonntag und Freitag 9:00-20:00 Uhr
Brezen Meyer – Bistro B2
Bayreuther Straße 2, 92054 Erlangen
Öffnungszeiten: Montag-Samstag 6:30-18:00 Uhr, Sonntags 7:00-17:00 Uhr
Auszug aus dem Buch 100 x verführt Nürnberg, Fürth, Erlangen, S. 209
Bildrechte Bierbänke: Daniel Arnold/CC BY-SA 3.0