Keine fünf Gehminuten vom Isartor und dem Trubel der Altstadt entfernt zeigt sich München von seiner
entspannten Seite. Hier gibt es alles, was die Münchner lieben – Wasser, Natur, Kultur, Speis und
Trank. Beim Bummel an der Isar vom Vater-Rhein-Brunnen über die Praterinsel zum Muffatwerk und
Müllersches Volksbad sind – schönes Wetter vorausgesetzt – Spaß und Erholung garantiert. Tauchen Sie
mit mir ein ins Münchner Lebensgefühl!
Los geht meine Runde beim Vater-Rhein-Brunnen, zu erreichen mit der Tram 16. Die
Haltestelle Deutsches Museum ist direkt auf der Ludwigsbrücke. An dieser Stelle führte ab 1158 die
Salzstraße über eine hölzerne Brücke nach München und trug ganz wesentlich zur Entwicklung der
heutigen Millionenstadt bei.
Vater-Rhein-Brunnen
Auf der Insel, 80538 München, Deutschland
Neben der Tramhaltestelle führen Treppen hinunter auf den Ausläufer der
Museumsinsel (das namensgebende Deutsche Museum ist auf der anderen Seite der Brücke) und zum
Vater-Rhein-Brunnen. Auf den „Migrationshintergrund“ von Vater Rhein verweist die Inschrift auf
dem Brunnensockel: „Argentorato“ war ein römisches Kastell an der Stelle des heutigen Straßburg.
Der Brunnen stand dort ab 1903 vor dem Stadttheater und ärgerte die Straßburger sehr, denn immer
mussten sie auf den knackigen Hintern des Flussgotts schauen, wenn sie aus dem Theater kamen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Elsass wieder französisch – und der „deutsche“ Brunnen sogleich
abgebaut und eingelagert. Rund zehn Jahre später beschlossen München und Straßburg einen
Brunnentausch: München schenkte Straßburg einen Brunnen, und Vater Rhein siedelte nach München um, wo
sein Erschaffer, der Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847–1921), lange Zeit gelebt hatte.
So kommt es, dass Vater Rhein auf einer Insel in der Isar steht, und manchmal schieben die hiesigen
Anhänger des französischen Boule-Spiels an der Brunnenanlage ein paar eiserne Kugeln. Die Geschichte
des Brunnens ist in der Rückseite der Balustrade eingraviert.
Hinter dem Brunnen führt ein Weg zu einem Wehrsteg, über den Sie die Praterinsel erreichen. Ihr Name
erinnert an einen Vergnügungspark, der im 19. Jahrhundert auf der Insel beheimatet war.
Alpines Museum
Praterinsel 5, 80538 München, Deutschland
In einem wild-romantischen Garten ist das Alpine Museum (Praterinsel 5, Di. bis Fr., 13 bis 18
Uhr, Sa., So. 11 bis 18 Uhr) beheimatet. Neben einer Dauerausstellung zum Alpinismus zeigt es
regelmäßig Sonderausstellungen. Beeindruckend, was den Museumsmachern in den letzten Jahren zum
Thema Berge alles eingefallen ist: Man konnte „Mit der Nase in die Berge“ ziehen, Heidis
Geschichte ergründen oder sich über die Rolle des Alpenvereins im Nationalsozialismus informieren.
Aktuell (bis Februar 2015) geht es um das Thema „Alpen unter Druck: Erschließungsprojekte im
Alpenraum“.
Im Museumsgarten können sogar Nichtbergsteiger ein Foto von sich am Zugspitzgipfel
schießen. Der Stein am unteren Ende des Gartens stammt von Deutschlands höchstem Gipfel. Er wurde für
die Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000 abgesprengt und schmückte dort den bayerischen Pavillon.
Nach der Expo fand er hier eine neue und standesgemäße Heimat.
Das Café Isarlust (Selbstbedienung) verkauft im Eingangsbereich des Museums
Erfrischungsgetränke und eine kleine Auswahl Kuchen. Die Cafégäste können sich im Schatten der Bäume
an einem der Tische oder im Liegestuhl niederlassen. In dem fast privat wirkenden Garten lässt es sich
bei einer Tasse Kaffee auch wunderbar arbeiten.
Weiter geht meine kleine Wanderung über den Kabelsteg, einem der schönsten Brückenbauten Münchens,
und dann rechts Richtung Muffatwerk.
Am Isarstrand zu Ihrer Rechten tummeln sich an warmen Tagen viele Münchner, sie
lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen, faulenzen oder sitzen mit Freunden zusammen und
ratschen. An heißen Tagen ist für mich ein Sprung in die erfrischende Isar etwas Wunderbares. In
welcher Großstadt ist das schon möglich… Man sollte aber immer daran denken, dass die Isar ein
Wildfluss mit zuweilen tückischen und starken Strömungen ist. Regelmäßig müssen leichtsinnige
Schwimmer aus der Isar gerettet werden. Direkt nach Hochwassern kann ihr sonst so sauberes Wasser
schon mal mit Keimen aus den Kläranlagen am Oberlauf oder der Kanalisation belastet sein.
Nach dem Abstecher an den Strand sollten Sie sich kurz der Mauer am linken Wegrand widmen. Die
Graffiti zeigen typisch Münchnerisches: den Komiker Karl Valentin mit seiner Partnerin Liesl
Karlstadt, ein surfendes Münchner Kindl (des Streetart-Künstlers Loomit), Flöße mit Biertrinkern, die
Isar und die Alpen.
Muffathalle
Zellstraße 4, 81667 München, Deutschland
Hinter der Mauer verbirgt sich der Muffat-Biergarten
(Zellstraße 4, nur bei schönem Wetter ab 12:00 Uhr, Wettertelefon 45 87 50 73, www.muffatwerk.de).
Er macht auch Nichtbiertrinker und Vegetarier glücklich, denn neben Hofbräu und Lammsbräu werden
hier auch süffige Saftschorlen, Weine, Aperol Spritz oder Hugos ausgeschenkt. Zum Essen gibt es in
dem Ökobetrieb Biergarten-Spezialitäten mit mediterranem Einfluss, Salate und Vegetarisches zu
normalen Münchner Biergartenpreisen. Über dem Biergarten erhebt sich der Kamin des angrenzenden
Muffatwerks.
Sie müssen nur zweimal links gehen, schon sind Sie da. Der 1867 errichtete Kamin gehörte zu einem
unter Stadtbaurat Franz Karl Muffat 1837 erbauten Brunnhaus, das die Münchner einst mit – nicht immer
keimfreiem Trinkwasser – versorgte. Nach seiner Stilllegung entstand hier Ende des 19. Jahrhunderts
ein Elektrizitätswerk in vorbildlicher Industriearchitektur nach Plänen von Carl Hocheder.
Das Elektrizitätswerk hat 1990 den Betrieb eingestellt, danach wurde das Gebäude saniert. Heute
finden im Muffatwerk (Abendkasse vor Ort) mit der denkmalgeschützten Halle, dem Club
Ampere und dem Muffat-Café (nur bei Veranstaltungen geöffnet) fast täglich Lesungen, Pop-, Rock- und
Weltmusikkonzerte sowie moderne Tanz- und Theaterprojekte statt. Schauen Sie sich im Gebäude um:
Überall sind hier noch Überbleibsel des alten E-Werks zu entdecken. Über den Parkplatz und rechts ums
Eck durch eine kleine Unterführung geht es zum nächsten Werk des Architekten Carl Hocheder.
Das Müllersche Volksbad (Rosenheimer Straße 1, täglich bis 23:00 Uhr, große Halle
montags nur bis 17:30 Uhr) geht auf eine Stiftung von Karl Müller zurück. Er vermachte der Stadt drei
Häuser mit der Auflage, dafür ein Bad für das einfache Volk zu bauen. Die Architektur im
barockisierenden Jugendstil wirkt für ein Volksbad mehr als fürstlich. In einer solch stilvollen
Umgebung macht das Schwimmen richtig Spaß. Zwei Schwimmhallen und ein irisch-römisches Schwitzbad
stehen den Gästen zur Verfügung.
Nun können Sie den Abend im Café-Restaurant im Müllerschen Volksbad (10:00 bis 24:00
Uhr) mit seinem malerischen Gastgarten einläuten. Die Küche ist international, frisch, saisonal, und
der freundliche Service sorgt für den entsprechenden Wohlfühlfaktor.
Nach einem Nachmittag an der Isar bin ich immer herrlich entspannt und bester Laune. Ich hoffe, Ihnen
geht es auch so.
Unsere CityInsiderin Petra Wucher schreibt ganze Bücher über ihre Passion München. Zuletzt
beschäftigte sie sich mit der Münchner Zeit von Oskar Maria Graf und der Altstadt von München.
„Ich dichtete und lief in der Revolution herum“
Oskar Maria Grafs Münchner Jahre 1911 bis 1933
Petra Wucher
17 Jahre ist Oskar Maria Graf, als er es in der elterlichen Bäckerei in Berg nicht mehr aushält und
sich nach München aufmacht. Der jugendliche Ausreißer muss sich zunächst als Gelegenheitsarbeiter sein
Brot verdienen. Die Revolution 1919 erlebt Graf voller Hoffnung, Zweifel und innerer Zerrissenheit.
Erst in den 1920er-Jahren gelingt ihm der schriftstellerische Durchbruch. Von nun an erobert sich Graf
seinen Platz im Literaturbetrieb der Stadt – bis 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernehmen und
ihn aus dem Land vertreiben.
Allitera-Verlag, München 2012, ISBN: 978-3 86906-104-7; 120 S.
„Münchens Neue Altstadt“
Lokal – national – international. Was sich verändert – bleibt
Petra Wucher, Tobias Lill
Die Münchner Altstadt zählt zu den beliebtesten und belebtesten Orten in Deutschland. Tradition und
Moderne gehen dabei eine reizvolle, manchmal auch eine reizbare Mischung ein. Seit den 1990er-Jahren
erlebt die Stadtmitte einen wahren Bauboom: die Fünf Höfe, der neue Alte Hof, das Jüdische Zentrum am
St.-Jakobs-Platz, der Oberangerblock u.a. wurden fertiggestellt. Kneipenkultur, Hotels,
Kulturinstitutionen und ganze Straßenzüge haben sich verändert…
MünchenVerlag, München 2009, ISBN 978-3-937090-38-2, 192 Seiten
Bildrechte – Vorschaubild Müllersches Volksbad: Tobias Arhelger, Shutterstock / Isar:
Zyankarlo, Shutterstock / Vater-Rhein-Brunnen: Gerhard R. Schulze, CC BY-SA 2.5 / Alpines Museum: High
Contrast, CC BY 3.0 DE / Muffathalle: Muffathalle Betrieb GmbH