Große Kunst auf dem Erlanger Burgberg
Der Heinrich-Kirchner-Skulpturengarten
Neben den Nürnberger Hesperidengärten ist der Skulpturengarten in Erlangen wahrscheinlich eine der schönsten Parkanlagen der Region. Im Norden der Universitätsstadt auf einem sonnigen Hang gelegen, erreicht man ihn von drei Seiten: über die Burgbergstraße, An den Kellern oder den Enkesteig. Wildromantisch klammern sich efeubewachsene Bäume auf verfallenen Mauern fest, Schotterwege und steile Treppchen ziehen sich über die Hänge, führen an einem alten Steinbruch vorbei und um kleine Terrassen herum.
100 X VERFÜHRT NÜRNBERG, FÜRTH,
ERLANGEN
100fach Erlebenswertes aus den drei mittelfränkischen Städten jenseits der
Touristenpfade, 223 Seiten
ars vivendi verlag, 14,90 Euro
ISBN 978-3-86913-183-2
Das Gelände entstand im 19. Jahrhundert aus einem früheren Villen- sowie einem ehemaligen Obstgarten. Der Hang bietet an klaren Tagen einen herrlichen Blick auf die Stadt und lässt selbst die Hochhäuser und Industrieschlote idyllisch wirken. Auf den südlich abfallenden Wiesen blüht im Frühjahr ein Meer von Krokussen und Schneeglöckchen. Ein winziges Gartenhaus aus Sandstein – Ende des 18. Jahrhunderts erbaut – lädt mit moosbewachsenen Steinbänken zum Ruhen im Schatten ein.
Der Skulpturengarten wurde 1982 dem bedeutenden Bildhauer Heinrich Kirchner (1902–1984) gewidmet. Eigentlich sollte der gebürtige Erlanger den familiären Holzverarbeitungsbetrieb übernehmen. Stattdessen kehrte er seiner fränkischen Heimat den Rücken, um an der Akademie der Bildenden Künste in München zu studieren, wo er von 1952 bis 1970 dann auch eine Professur für Bildhauerei übernahm. Aus seinem Werk spricht ein religiös-humanistisches Weltbild, unter anderem geprägt durch die beiden Weltkriege.
So recken sich auf den offenen Flächen des Parks bronzene Körper in den Himmel, monumentale Werke mit eingeritzten Zitaten und Sinnsprüchen versehen. Als fragten sie den weiten Himmel über sich nach dem Sinn des menschlichen Daseins, stehen sie da und rühren den Betrachter mit ihrer Schlichtheit und Größe an. Im westlichen Teil des Gartens, etwas dichter bewachsen und parkähnlicher, findet man die früheren, kleineren Plastiken Kirchners. Der Neue Adam, die Füße direkt auf dem Erdreich, wirkt fast wie ein Spaziergänger, der dem Besucher begrüßend die Arme entgegenstreckt.
Für einen Ausflug mit dem/der Liebsten, für eine besinnliche Stunde oder einfach zum Frische-Luft-Schnappen ist der Skulpturengarten vor allem in den eisfreien Monaten ein Geheimtipp. Die im Gartenhäuschen untergebrachte Ausstellung zum Burgberg- und Skulpturengarten wird nach telefonischer Vereinbarung geöffnet.
Heinrich-Kirchner-Skulpturengarten
Am Südhang des Burgberges, 91052 Erlangen
Zugang über Burgbergstraße, An den Kellern oder Enkesteig
Öffnungszeiten: Ganzjährig frei zugänglich, außer zur Bergkirchweih
Führungen: Nach Vereinbarung mit der Touristinfo unter 09131/ 8 95 10
Auszug aus dem Buch 100 x verführt Nürnberg, Fürth, Erlangen, S. 207
Bildrechte Bild des Hoffens: Daniel Arnold/CC BY-SA 3.0
