Sebastian Priller Riegele, selbst Biersommelier-Weltmeister, ist zurecht stolz auf seine Mannschaft der Riegele BierManufaktur, die bei den Meininger Craft Beer Awards 2015 gleich 12 der begehrten Trophäen abräumte, darunter auch den Titel zum „Craft Beer Brauer national 2015“. Uns führt er im Interview in die Welt der Craft Biere ein.

Sebastian Priller Riegele – „mit dem Bierschnuller aufgewachsen“
In 28. Braugeneration – nach eigener Aussage – mit dem Bierschnuller groß geworden, ist Bier für Sebastian Priller Riegele mehr als nur ein Getränk. Vielmehr ist das Bierbrauen eine Philosophie und Bier flüssige Lebensfreude! Neben seiner Ausbildung zum Biersommelier und dem Gewinn der Weltmeisterschaft, schaute Priller Riegele 2001 über den deutschen Bierhorizont hinaus, bereiste England, besuchte 30 amerikanische Mikrobrauereien und arbeitete sogar in einer Brauerei in Namibia.
Craft Beer – was soll das eigentlich sein?
Laut amerikanischer Definition ist Craft Beer ein handwerklich gebrautes Bier, dessen Ausstoß im Jahr nicht mehr als 9,5 Millionen Hektoliter beträgt. Große Konzerne dürfen dabei maximal 25 % der Anteile an der Craft Beer Brauerei halten. Ein nüchterner Erklärungsversuch, für den Sebastian Priller Riegele nur eine Antwort übrig hat: „Wer so definiert, hat aus meiner Sicht Craft Beer nicht verstanden. Der Unterschied liegt in der Philosophie.“ Craft Beer, das ist nach Sebastian Priller Riegele, eben kein Produkt für den Massenmarkt. Das Bier positioniert sich auch nicht über eine Marketingabteilung, sondern sein einzigartiges Geschmacksprofil und den Brauer als solchen.

„Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes Craft Beer herausragend ist.“, sagt Priller Riegele. „Die Kunst ist es, ein deutlich eigenständiges Geschmacksprofil zu erreichen, aber gleichzeitig eine Harmonie zu schaffen. Ich sage immer: Eine Suppe versalzen kann jeder, aber eine würzige Harmonie zu kochen ist schwierig. So ist das auch beim Craft Beer. Nicht mehr Hopfen macht den Unterschied, sondern der richtige Hopfen zum richtigen Malzkörper im richtigen Brauzeitpunkt gegeben.“
Neben dem philosophischen Ansatz gibt es selbstverständlich auch einen geschmacklichen Unterschied zwischen Craft- und herkömmlich gebrautem Bier: „Craft Beer nimmt sich das Recht heraus zu polarisieren. So halten wir das auch in der Riegele BierManufaktur. Das ist wie bei einem speziellen Käse. Man liebt ihn, oder man hasst ihn, aber er hat sicher Charakter. So ist das hier auch. Alles was Charakter hat polarisiert und Craft Biere haben ein charakterstarkes Geschmacksprofil. Industrielle Biere sind sehr dezent im Geschmacksprofil und deshalb auch für den Massenmarkt tauglich. Sie haben eine hohe (Neudeutsch) Drinkability. Die höchste Drinkability hat übrigens Wasser….“, scherzt Priller Riegele.
Leidenschaft, Hingabe und Wissen…
…die Zutaten für ein echtes Riegele Bier, das sich „[…] wie ein Puzzle aus 1.000 verschiedenen Teilen zusammensetzt – und wir kümmern uns um jedes einzelne.“, sagt Priller Riegele. „Dazu kommt, dass wir feine und elegante Biere lieben.“ So wundert es nicht, dass selbst das Noctus 100 trotz seiner Geschmackskomplexität und 10% Vol. Alk. nicht schwer, sondern filigran ist. „Das ist natürlich extrem schwer zu brauen, aber wir haben ja etwas Erfahrung. 629 Jahre um genau zu sein“, erklärt Priller Riegele.
Die Liebe zum Bier
Sie ist die wichtigste Eigenschaft eines Brauers, die auch Priller Riegele und sein Braumeister Müller leben. Erst kürzlich kehrten beide von einer Geschmacksexkursion aus den Vereinigten Staaten zurück, wo sie eine Brauerei nach der nächsten besuchten. „Von New York bis nach Asheville und zur Sierra Nevada. Wir haben mit anderen Braumeistern gesprochen und neue Ideen gesammelt. Wir können uns einfach total fürs Brauen begeistern. Denn das ist das Tolle am Bier: Es ist komplex aber nicht kompliziert. Wir tauschen uns aus. Wir brauen mit anderen Braumeistern. Und wir genießen zusammen die Biervielfalt. Zugegeben, es gehört noch extrem viel Wissen dazu.“
Darüber hinaus pflegen beide Europas größte Hefesammlung, sind in internationalen Hopfenverkostungspanels und kümmern sich unter dem Leitmotiv „Morgen brauen wir noch ein bisschen besser“ um jedes einzelne Malzkorn.
Wir bedanken uns bei Sebastian Priller Riegele für die interessanten Einblicke und sagen Prost!
