Der Streetfood-Trend greift in Deutschland mehr und mehr um sich. Längst umfasst die moderne Straßenküche mehr als nur den schnellen Burger oder die Pizza auf die Hand. Findige Gastronomen bringen jetzt Feinschmeckergerichte auf die Straße. Mit handgemachten, gesunden und abwechslungsreichen Kleinigkeiten erobert Gourmet Streetfood die Städte. Erfahrt alles über den Streetfood-Trend, seine Ursprünge und die kulinarischen Highlights.
Streetfood ist in Deutschland – je nachdem, wie man den Begriff auslegt – entweder sehr alt oder noch sehr jung. Erst seit einigen Jahren ist der Begriff bei uns in aller Munde, aber gibt es den schnellen Happen auf die Hand schon um einiges länger. Backpacker und Individualtouristen kennen die Streetfood-Märkte mit ihren Garküchen von ihren Asienreisen, der Hot Dog wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts von einem Frankfurter erfunden und tatsächlich genossen schon die alten Griechen ihren frittierten Fisch auf der Straße.
Streetfood-Trend: Am Anfang war der Foodtruck
Will man über Streetfood in Deutschland sprechen, darf man die USA als Vorreiter nicht außer Acht lassen. Foodtrucks gehören in Nordamerika seit jeher zum Straßenbild. Vor allem in New York hat sich seit den 1980er-Jahren eine Streetfood-Szene entwickelt, die man in Deutschland allenfalls aus Hollywoodfilmen kannte. Hierzulande dauerte es noch gute drei Jahrzehnte länger, bis der Begriff Streetfood in den allgemeinen Sprachgebrauch einfloss und sich zu einem Trend entwickelte.
Streetfood-Hype: Vom Blog auf die Straße
Der kulinarische Fachjournalist Stevan Paul gehörte zu den ersten, die sich für den Streetfood-Trend in Deutschland interessierten. Man kann ihm sogar einen nicht unwesentlichen Anteil daran zuschreiben, dass Streetfood mittlerweile auch in Deutschland nicht mehr wegzudenken ist. Während er in seinem Blog Nutriculinary zunächst von Streetfood-Märkten in London und Australien schwärmte und der deutschen Leserschaft Gerichte wie das asiatische bánh mì nahebrachte, war er derjenige, der den Hype um die Streetfood-Bewegung in Deutschland mitbegründete. Auch Angelika Thielemann und Alexander Boder, Inhaber des Foodtrucks ‚Die dollen Knollen‚, wissen um die Bedeutung von Foodbloggern, wenn es um den Triumphzug des Streetfoods in Deutschlands geht: „Der Boom an Streetfood ist genau deshalb so wahnsinnig, weil viele Blogger, Twitterer und Facebooker dazu beigetragen haben, die unzähligen Namen regional und überregional zu verbreiten.“ Aktuell rollen über 300 Streetfood-Trucks auf Deutschlands Straßen, die Tendenz ist steigend, wie der Experten-Blog Foodszene festellt.
Streetfood-Märkte in Deutschland: von Berlin aus bis zum Bodensee
Jahrelang war Berlin als kulinarische Wüste verschrien, vor allem die zugezogenen Süddeutschen beklagten das knappe Angebot an wohlschmeckenden Kleinigkeiten. Die Hauptstadt ist zwar bekannt für den schnellen Imbiss für zwischendurch, die gastronomische Revolution ließ aber dennoch lange auf sich warten. Erst mit dem Zuzug von jungen, gebildeten Menschen aus Südeuropa, den USA oder Lateinamerika (den so genannten „Expats“) in den letzen Jahren wurde ein kulinarischer Neuanfang eingeleitet, der sich von Berlin aus über ganz Deutschland ausbreitete. Die Neuberliner haben zwar oftmals keinen gastronomischen Hintergrund, dafür aber ein paar gute Familienrezepte und den notwendigen Gründergeist im Gepäck. Ihnen ist es zu verdanken, dass sich in Berlin eine Streetfood-Szene entwickelte. In der Kreuzberger Markthalle Neun etablierte sich seit 2013 der Streetfood Thursday, der mittlerweile in jedem Touristenführer als Highlight angegeben ist. Andere Städte zogen bald nach, und heute kannst du Streetfood-Märkte in vielen Städten Deutschlands – von der Ostsee bis zum Bodensee – besuchen.
Streetfood-Trend heute: vom Fast Food zum Slow Food
Ein unkomplizierter Happen auf die Hand, ohne viel Schnickschnack und schnell verzehrt, so könnte man Streetfood verstehen. Nach dieser Definition sind die Berliner Currywurst, die bayerischen Brezn und natürlich auch der allseits beliebte Döner Kebap echtes, ursprüngliches Streetfood. Doch die neue Streetfood-Generation will mehr als nur schnelles und günstiges Essen. Statt Fast Food geht es immer mehr um Slow Food, was bedeutet, dass die Gerichte mit frischen, oftmals regionalen oder sogar biologischen Zutaten zubereitet werden. Es geht nicht mehr nur ums bloße Essen, wie auch Alexander Boder von ‚Die dollen Knollen‘ bestätigt: „Wir produzieren aus regionalen Kartoffeln und glutenfreiem Mehl wohlschmeckende und fettarme Kartoffelpuffer die wir auf kompostierbaren Gedecken servieren. Da steckt schon viel von modernem Ernährungsbewusstsein drin: glutenfrei, regional, nachhaltig.“ Und wo Streetfood draufsteht, da steckt nicht selten auch Haute Cuisine drin. „Fancy,“ also raffiniert und ausgefallen soll das perfekte Streetfood sein, finden Angelika Thielemann und Alexander Boder. Auch Starkoch Tim Mälzer brachte unlängst Gourmet Streetfood an den Mann, andere Gastronomen werden sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.