Kleine Paradiese mitten in der Stadt
Aromagarten und Botanischer Garten Erlangen
Loki Schmidt war Botanikerin mit Leib und Seele. Für ihren Bildband „Die Botanischen Gärten in Deutschland“ legte die Gattin von Altkanzler Helmut Schmidt ganze 26.000 Kilometer zurück. Station machte sie auch in Erlangen und war mehr als begeistert: »Der Botanische Garten Erlangen ist zwar einer der kleinsten Gärten Deutschlands. Er ist aber gärtnerisch bis in die feinsten Details gelungen angelegt und bietet viele Anregungen.
100 X VERFÜHRT NÜRNBERG, FÜRTH,
ERLANGEN
100fach Erlebenswertes aus den drei mittelfränkischen Städten jenseits der
Touristenpfade, 223 Seiten
ars vivendi verlag, 14,90 Euro
ISBN 978-3-86913-183-2
Eine solche Anregung ist der fernöstliche Garten mit seinen Hortensien und Azaleen, eine wahre Ruheoase inmitten der Riesenoase aus über 4.000 Pflanzen. Oder der Arzneigarten mit seinen duftenden Kräutern und Gewürzen. Immer der Nase nach geht es auch im einen Kilometer entfernten Aromagarten im Schwabachtal – ein optischer und aromatischer Genuss für die Sinne. Begründet durch Prof. Dr. Karl Knobloch vom Erlanger Institut für Botanik und Pharmazeutische Biologie, wurde der Garten 1981 als der weltweit erste seiner Art eröffnet. Auf knapp einem Hektar reihen sich Baldrian an Salbei und Duftrosen an Thymian, grenzt eine Minzwiese an ein Lavendelfeld und ein Fliederwäldchen.
Es sind nicht nur Anregungen, die der Botanische Garten bietet, sondern auch Überraschungen: die Neischlhöhle mit täuschend echt nachgebildeten Tropfsteinen zum Beispiel oder eine 150 Jahre alte »zwitschernde« Eiche – Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität geben ihr eine Stimme und berichten auf Twitter über das aktuelle Befinden des Baums. Noch älter ist der Garten selbst: Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1626 zurück, als in Altdorf ein medizinisch-akademischer Garten für die Universität der Stadt Nürnberg eingerichtet wurde. Nach der Auflösung dieses „Hortus Medicus“ kamen einige Pflanzen nach Erlangen. Vier Jahre nach der Gründung der Friedrich-Alexander-Universität wurde 1747 in der südlichen Altstadt ein Botanischer Garten angelegt. An seiner heutigen Stelle besteht er seit 1828.
Seither zieht es Pflanzenliebhaber und Erholungssuchende in Erlangens farbenfrohes Herz. Wo sonst kann man für wenige Stunden eine Winterauszeit nehmen? In den liebevoll gestalteten Gewächshäusern wird der Besucher in eine immergrüne Welt entführt, sei es im Palmenhaus mit seinen tropischen Pflanzen oder im Kanarenhaus mit der einzigartigen Vegetationsvielfalt der makaronesischen Inseln – und das auf nur wenigen Quadratmetern.
Botanischer Garten
Loschgegasse 1-3, 91051 Erlangen
Öffnungszeiten Freiland: Mai-September tägl. 08:00-16:00 Uhr, Juni-August tägl. 08:00-17:30 Uhr
Öffnungszeiten Gewächshäuser: Dienstag-Sonntag und an Feiertagen 09:00-15:30 Uhr
Öffnungszeiten Neischlhöhle: April-September sonntags von 14:00-16:00 Uhr
Aromagarten
Ecke Palmenanlage/Mauritiusweg, 91051 Erlangen
Öffungszeiten: April-Oktober tägl. 07:00-19:00Uhr
Auszug aus dem Buch 100 x verführt Nürnberg, Fürth, Erlangen, S. 211
Bildrechte Japanisches Torii: Daniel Arnold/CC BY 2.5 • Sämtliche Aufnahmen im Gewächshaus: Matthias Süß




