Perfekte Bilder – Profi-Tipps zur Fotobearbeitung

Die Digitalisierung hat nicht nur die Fotografie, sondern auch die Fotobearbeitung von Grund auf verändert. Die Dunkelkammern der analogen Kamera-Generation sind fast verschwunden und durch Software ersetzt worden. Doch die zahlreichen Möglichkeiten des digitalen Post Processing können anfangs überfordern. Reise- und Landschaftsfotograf David Köster erklärt die wichtigsten Aspekte der Bildbearbeitung und mit welchen Tricks ihm seine surreal wirkenden Landschaftsbilder gelingen.

Das optimale Foto als Grundlage

Bevor du mit der Bearbeitung beginnst, brauchst du zunächst ein gutes Foto als Basis. Denn auch die aufwendigste Nachbearbeitung macht keinen Hingucker aus einem unvorteilhaft aufgenommenen Foto. Achte daher bereits beim Fotografieren auf optimale Bedingungen und die richtigen Einstellungen.

  • Besonders in der Outdoorfotografie, bei der du mit natürlichem Licht arbeitest, ist es entscheidend, eben jenes „richtig“ zu nutzen. Wenn die Sonne morgens oder abends tief steht, entstehen interessante Schatten, die die Landschaft plastischer erscheinen lassen. Das Licht ist weicher und taucht die Kulisse in schöne rötliche und / oder orangene Töne. Dagegen empfiehlt es sich, die “harte” Mittagssonne zu meiden. Darüber hinaus ist es wichtig, bereits vor Ort auf die Belichtung zu achten und – am besten mit dem Histogramm – zu prüfen, ob das Bild über- oder unterbelichtet ist. Entspricht das Licht nicht seinen Vorstellungen, lässt Köster die Kamera oft einfach in der Tasche und kehrt später, wenn die Lichtverhältnisse seinen Vorstellungen entsprechen, zurück.

  • Mach dir Gedanken zum Bildaufbau und knipse nicht einfach drauf los. Für eine spannende Bildkomposition ist es hilfreich, die sogenannte Drittel-Regel anzuwenden, bei der das Bild gedanklich oder mit Hilfe eines Rasters – das du bei vielen Kameras in Sucher und Display einstellen kannst – durch jeweils drei horizontal und vertikal verlaufende Linien in neun Rechtecke unterteilt wird. Befindet sich das Hauptmotiv nun in einem der Schnittpunkte der Linien, statt in der Bildmitte, entsteht eine dynamische Komposition. Zudem können ins Bild führende Linien oder natürliche Rahmen Fotos interessanter gestalten.

  • Auch die richtigen Einstellungen an deiner Kamera sind entscheidend für ein gelungenes Bild. Zu den wichtigsten fotografischen Parametern zählen Blende, Belichtungszeit, ISO-Zahl und Fokuspunkt. Jeder Fotograf, ob Profi oder Amateur, sollte mit der Wirkung dieser Faktoren vertraut sein. Die Wahl der Blende beispielsweise, beeinflusst die Schärfe. Sie ist allen voran für Landschaftsfotografen, die möglichst viele Details mit ihren Bildern einfangen möchten, elementar. Allgemein gilt: Je geschlossener die Blende (je größer die Blendenzahl), desto höher auch die Tiefenschärfe. Ein weiterer Parameter, der Einfluss auf Tiefenschärfe und Schärfeverlauf nimmt, ist die Wahl des Fokuspunktes. Wer möglichst scharfe Bilder haben möchte, informiert sich an dieser Stelle über die „hyperfokale Distanz“.

  • Zu guter Letzt bestimmt auch deine Ausrüstung die Qualität deiner Bilder. Moderne Kameras mit hochauflösenden Sensoren, hochwertigen Objektiven sowie die Nutzung von Stativen, Fernauslöser und Spiegelvorauslösung tragen maßgeblich zur Schärfe deiner Bilder bei.

Allein die Beachtung unserer Expertentipps reduziert den späteren Aufwand bei der Nachbearbeitung. Noch dazu schont ein solches Vorgehen Speicherplatz und Akku. So landen schätzungsweise nur 10% von Kösters fotografierten Dateien im digitalen Papierkorb.

Das richtige Dateiformat

Ideal für die spätere Bildbearbeitung ist die RAW-Datei des Fotos, das digitale Negativ des Bildes. Die meisten Kameras erlauben heute das Fotografieren in diesem Format, haben aber meist den JPEG-Modus voreingestellt. Überprüfe die Einstellung im Menü deiner Kamera, bevor du auslöst.

Der Vorteil des RAW-Formats gegenüber JPEG ist die Aufzeichnung der Foto-Rohdaten. Sprich, die Datei wird nicht durch die Kamera komprimiert oder bearbeitet, sodass dir im Nachhinein mehr Informationen zur digitalen Bearbeitung – oder anders gesagt Entwicklung – zur Verfügung stehen. Natürlich kannst du auch eine JPEG Datei nachbearbeiten, allerdings handelt es sich hierbei um ein verlustbehaftetes Komprimierungsverfahren, bei dem die Dateigröße durch das Zusammenfassen von Pixeln und die Reduzierung des Farbumfangs verringert wird. Dadurch kann es zu Abrissen bei Farbverläufen oder Artefakten wie Treppenstufen kommen.

Übrigens: Fotografieren im RAW-Format macht nur Sinn, wenn du die Bilder später tatsächlich noch bearbeiten möchtest und über die entsprechende Software zum Konvertieren verfügst. Willst du die Bilder „out-of-the-cam“ nutzen, ist JPEG das Format deiner Wahl. Achte in diesem Fall einfach darauf, eine möglichst hohe Qualitätsstufe bei deiner Kamera einzustellen.

vorher-nachher-david-koester-1280x460

Die besten Programme zur Fotobearbeitung

Am „digitalen Entwicklungstisch“ passt du das Ausgangsfoto mit Hilfe verschiedener Einstellungsmöglichkeiten deinen eigenen Wünschen an. Hier kannst du dein Motiv zuschneiden, ausrichten, den Weißabgleich vornehmen, die Lichtverhältnisse optimieren oder Kontrast, Schärfe und Sättigung erhöhen, bevor du im nächsten Schritt – dem Ausbessern – zum Beispiel Bildrauschen und Sensorflecken entfernst.

Dafür gibt es unterschiedlichste Bildbearbeitungsprogramme, von denen Adobe Photoshop mit Abstand das Bekannteste ist. Jedoch sind viele der gebotenen Funktionen nicht unbedingt für die digitale Fotobearbeitung notwendig. Dazu kommt, dass das Programm recht teuer ist, für eine neue Version legst du gut und gerne einen vierstelligen Betrag hin. Gehört Photoshop nicht bereits zu deinem Inventar, empfiehlt der Experte ein Programm zu wählen, dass speziell auf die Fotobearbeitung spezialisiert ist.

  • Software wie Adobe Lightroom, Capture One, ACD See, Corel Aftershot und DxO Optics konvertiert, importiert und katalogisiert die Daten mit wenigen Klicks und bietet professionelle Einstellungsmöglichkeiten an.

  • Profi David Köster favorisiert Adobe Lightroom, das alle für ihn wichtigen Funktionen entlang des fotografischen Workflows mitbringt, gleichzeitig aber sehr übersichtlich und noch dazu preiswert ist.

  • Unser Experten Tipp: Seit einiger Zeit kann man Photoshop und Lightroom einfach im sogenannten Adobe Creative Cloud Foto-Abo nutzen. Das kostet knapp 12 € im Monat und erlaubt den vollen Zugriff auf die jeweils aktuellen Versionen der beiden Klassiker.

  • Daneben ermöglichen kostenlose Programme wie Gimp, darktable, LightZone oder RawTherapee, mit ihren umfangreichen Funktionalitäten, einen relativ einfachen Einstieg in die Arbeit mit RAW-Dateien.

Einige der vorgestellten Programme enthalten vorprogrammierte Filter mit spannenden Effekten. Durch einfaches Ausprobieren lernst du innerhalb kürzester Zeit viel dazu und erzielst mit etwas Einarbeitung schnell interessante Ergebnisse. Möchtest du gezielt einige Grundfunktionen besser verstehen, empfehlen wir dir die YouTube Tutorials auf den Herstellerseiten. Darüber hinaus hast du immer die Möglichkeit, dich direkt bei einem Workshop – wie sie auch David Köster anbietet – anzumelden.

Finde deinen eigenen Stil

Aus einem Zusammenspiel von Fototechnik, technischen Einstellungen und nachträglicher Bearbeitung entsteht dein fertiges Bild. Dabei gibt es keine Vorgabe, wie und wie viel Nachbearbeitung richtig ist, das sei, so Köster, schlichtweg eine Frage des persönlichen Geschmacks. So versucht er mit seinen fertigen Bildern die Szenerie so wiederzugeben, wie er sie – wenn auch ganz subjektiv – gesehen hat. Spezialisiert hat Köster sich auf Landschaftsbilder, von märchenhaften Orten in mystischen Lichtstimmungen. Der expressionistisch, malerische Touch seiner Bilder entsteht durch eine hohe Schärfentiefe, einen hohen Tonwert und Dynamikumfang.

Generell gilt für Köster in puncto Nachbearbeitung das Credo „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“, immer mit dem Ziel vor Augen das Beste aus dem Ausgangsfoto herauszuholen und die Unzulänglichkeiten seiner Kamera zu kompensieren. Tabu sind und bleiben gravierende Retuschen oder Bildveränderungen. So fügt er weder Details hinzu, noch entfernt er sie – abgesehen von Sensorflecken. Und aus Rosa wird auch kein Blau.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, das du nicht anders vorgehen und beispielsweise gezielt mit Unschärfen arbeitest, High-Key- oder Schwarz-Weiß-Aufnahmen machst und später selektiv Farben herausfilterst oder deine Aufnahmen mit einem Retro-Look versiehst. Probiere dich aus und kreiere deinen eigenen Stil, egal ob auf Reisen oder im heimischen Garten.

Viel Spaß mit unseren Tipps vom Experten David Köster!

Adresse & Kontakt

David Köster

Tel.: +49 (0)174 248 59 99
Email: look@davidkoester.de

Bildnachweise