Gewagte Architektur der 50er-Jahre

Die ehemalige Caltex-Tankstelle in Erlenstegen

  • Caltex Tankstelle Nürnberg/Erlenstegen

Die Caltex-Kraftstation ist ein architektonisches Denkmal ganz besonderer Art, auch wenn sich Bedeutung und Eleganz der Stahlbeton-Konstuktion dem Betrachter erst auf den zweiten Blick erschließen.

Für ganze Autofahrergenerationen ist es inzwischen selbstverständlich, bei Spritmangel die nächstbeste Tankstelle aufzusuchen und zu tanken. Jedoch sind Tankstellen eine noch relativ junge Errungenschaft: Noch zu Beginn des Jahrhunderts zapfte man sich den Treibstoff in der Apotheke oder Drogerie frisch aus dem Fass. Im ersten Drittel des 20. Jahrhundert entstanden zuerst in den deutschen Großstädten die Art von Tankstellen, wie wir sie heute kennen: Zapfsäulen mit Tankwarthäuschen und Pflegehalle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein großer Teil des Tankstellennetzes zerstört und das auf zwei und vier Rädern anrollende Wirtschaftswunder erforderte einen schnellen Ausbau. Um den Vorgang zu beschleunigen, setzten die Mineralölkonzerne auf Standardisierung.

Eleganz und Raffinesse

Das Unternehmen Caltex Tank-Kraft GmbH hatte durch den Architekten Walter Hämer ein solches Standardmodell entwerfen lassen. Eine von ganz wenigen dieser Typ-3-Tankstellen ist noch in der Erlenstegenstraße 39 in Nürnberg in Betrieb, die zusammen mit der Pflegehalle ein sehr seltenes Ensemble darstellt. Leider verdeckt die moderne Leuchtreklame ein wenig die Schönheit der elegant geschwungenen, weit auskragenden Stahlbeton-Dachkonstruktion.

Über 13 Meter misst der Kragarm, der sich vom Fuß- bis zum Endpunkt von 225 cm auf 20 cm verjüngt. Er überspannt die Zapfsäulen und das Tankwarthäuschen. Damit die Kontruktion nicht nach vorne kippt, ist sie durch einen mit Stahl bewehrten Fundamentklotz verankert. Diese gewagte Architektur benötigt keine stützenden Säulen. Das Tankstellendach und das Tankwarthaus haben keine konstruktive Verbindung. Die Einheit stellen Dehnungsfugen her.

Gerade einmal 18 qm Nutzfläche hat das Tankwarthäuschen, was für die damalige Nutzung als Kassenraum völlig ausreichend war. Der Verkauf von Nebenprodukten kam erst in den 1960er-Jahren langsam in Mode. Platzsparend ist auch der Standort der zwei Toilettenräume: Sie sind rückwärtig an das Tankwarthäuschen angelehnt. Die Gebäudewände bestehen aus Glattputz. Ursprünglich leuchteten sowohl die Traufkante als auch die Fenster- und Türrahmen in einem kräftigen Grünton.

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