Versteckte Künstlerateliers im Münchner Westen

Künstlerhof

Mangel an bezahlbarem Wohnraum in München ist kein Phänomen der Neuzeit, den gab es auch schon in den 1920er-Jahren. Der damalige SPD-Stadtrat Karl Preis wies vehement mit seinem öffentlichen Appell „Wohnungsnot in München“ auf diese katastrophale städtische Misere hin. Abhilfe musste dringend geschaffen werden!

100 x verführt München


100 X VERFÜHRT MÜNCHEN
100fach Erlebenswertes aus bayerischen Landeshauptstadt jenseits der Touristenpfade, 224 Seiten
ars vivendi verlag, 14,90 Euro
ISBN 978-3-86913-476-5

Am 6. Juni 1928 wurde die GEWOFAG, die Gemeinnützige Wohnungsfürsorge AG München, gegründet. Das Aktienkapital von 500.000 Reichsmark steuerte größtenteils die Stadt München bei. Ihr erklärtes Ziel war, neue und erschwingliche Wohnungen zu bauen. So entstand am Rand von Neuhausen aus Äckern und Wiesen 1928–1931 auf einer Fläche von 190.000 Quadratmetern die Großsiedlung Neuhausen mit 1.600 Wohnungen. Damals eine absolute Sensation! Entwurf und künstlerische Konzeption stammten von dem bekannten Architekten Hans Döllgast, der u. a. federführend am Wiederaufbau der Alten Pinakothek mitwirkte.

Heute bildet die große, unter Denkmalschutz stehende Siedlung mit fast 2.600 Wohnungen, ungefähr 25 Geschäften, 20 Kinderspielplätzen, Gaststätten, 60 Garagen und kleinen Handwerksbetrieben eine kleine Stadt in der Stadt. Da darf natürlich auch die Kunst nicht zu kurz kommen! Deshalb schuf Döllgast den bis heute existierenden „Künstlerhof“. In ihm bilden 13 Maler- und Bildhauerateliers sowie 16 Atelierswohnungen in den Dachgeschossen kreative Räume.

Ein geschwungener Torbogen weist den Weg zum Künstlerhof, der an einem begrünten Innenhof mit wunderbarem altem Baumbestand und Kinderspielplatz liegt. Erfrischender Blickfang ist der Storchenbrunnen aus Bronze (1929) des Bildhauers Emil Manz. Riesige Fensterflächen ermöglichen den Kunstschaffenden optimale Lichtverhältnisse. Und in der Tat, es gibt sie hier noch, die Kunstjünger! Denn das sehenswerte „Biotop“ ist kein Freilichtmuseum, sondern wird nach wie vor von 30 Kunstschaffenden genutzt. Wie z. B. vom Bildhauer Josef Fromm, der u. a. den Brunnen Quellnymphe in Bogenhausen schuf. Oder der Malerin Ricarda Dietz, der wir die herrlichen Wandmalereien in den U-Bahnhöfen Theresienwiese und Thalkirchen zu verdanken haben!

Zum Künstlerhof
80436 München

Internetauftritt von Josef Fromm
www.plastikundmalerei.de

Internetauftritt von Ricarda Dietz
www.ricarda-dietz.de

Auszug aus 100 x verführt München, S.178f.


Bildnachweise

Siedlung_Neuhausen_Muenchen_2 – Amerikanerblock – O DM CC BY-SA 3.0

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