Rund um den Erlanger Burgberg

Stadtführung durch Erlangen Teil 4

  • Erlangen Panorama

Thilo Castner, ausgewiesener Kenner Frankens und als solcher Mitverfasser mehrerer Bücher, nimmt Sie mit zu einem Spaziergang durch die Erlanger Innenstadt. Lernen Sie die Stadt kennen, die Erlanger besser verstehen. In Teil 4 wird der Burgberg erkundet. Anschließend führt der Weg über die Schwabachbrücke zurück zum Ausgangspunkt:

Über die Schwabach zum Burgberg

Der Großstadt-Verführer Franken


DER GROSSSTADT-VERFÜHRER FRANKEN
12 fundiert recherchierte Touren mit Wissenswertem zu Stadtgeschichte und Sehenswürdigkeiten, 208 Seiten
ARSVIVENDI Verlag, 13,90 Euro
ISBN-10: 3869132027

Wir setzen unseren Rundgang auf der Palmsanlage fort und biegen unmittelbar vor der Schwabachbrücke links in die Schwabachanlage ein. Dann weiter entlang der Schwabach, bis wir auf das Hinweisschild zum Skulpturengarten stoßen. Wir überqueren das Flüsschen und kommen auf dem Papelierweg zur Essenbacher und Rathsberger Straße. Vorbei am Restaurant Bärengarten geht es jetzt den 332 Meter hohen Burgberg zum Skulpturengarten hinauf, den der Landschaftsarchitekt Wolfgang Weinzierl angelegt hat und der später mit 17 großartigen Monumentalskulpturen des Erlanger Bildhauers Heinrich Kirchner bestückt wurde. Nach Bewältigung der etwa 50 Höhenmeter bewundern wir nicht nur die bronzenen Riesen des Künstlers, sondern genießen auch den herrlichen Ausblick auf die uns zu Füßen liegende Stadt. Eine kurze Verschnaufpause tut jetzt bestimmt wieder gut.

Der Erlanger Burgberg

Der Burgberg ist auch das Mekka aller fränkischen Bierfans. Seit dem 21. April 1755 wird Pfingsten hier feucht-fröhlich gefeiert, inzwischen zwölf Tage lang mit mehr als einer Million Besuchern. Nach dem Abstieg vom Skulpturengarten gehen wir deshalb rechts auf der Straße An den Kellern weiter. Es folgt nun Keller auf Keller, in denen früher das Bier gelagert und kühl gehalten wurde. 1770 waren es bereits 50.000 Eimer, also etwa 3,2 Millionen Liter, die man dort mit dem begehrten Gerstensaft bunkern konnte. Die insgesamt 16 unterirdischen Gänge reichen bis 100 Meter tief in den Sandstein hinein, ein Keller durchdringt den Burgberg auf einer Länge von 861 Metern sogar völlig. Neben den Kellern befinden sich dann die Biergärten, in denen Abertausende von Bierfreaks während der Bergkirchweih ihren Durst löschen.

Am Altstädter Schießhaus führt der Weg über die Bergstraße zurück in die Innenstadt. Für Literaturliebhaber gäbe es zuvor aber noch etwas sehr Reizvolles, nämlich den Aufstieg zum Platenhäuschen. Einfach den Burgberg Richtung Wasserturm nach oben hinaufsteigen, über die Humboldtstraße zum Umhausener Weg gehen und dabei dem Hinweisschild Platenhäuschen folgen. Der bedeutende Dichter und Lyriker August Graf von Platen-Hallermünde hatte sich hier während seiner Erlanger Studienzeit niedergelassen und brachte dort später auch den Druck seiner Lustspiele (Der gläserne Pantoffel und Der Schatz des Rhampsinit) zum Abschluss.

Auf Umwegen zurück in die Innenstadt

Um den Rundgang zu beenden, gehen wir von der Bergstraße über die Kreuzung zur Bayreuther Straße und gelangen so zur Hauptstraße, die wir ja bereits kennen und die uns zum Hugenottenplatz und damit zum Ausgangspunkt bringt. Nimmermüde Besucher entscheiden sich aber vielleicht für einen kleinen Umweg und biegen kurz nach Passieren der Schwabachbrücke rechts in die Nördliche Stadtmauerstraße ein. Die alte Stadtmauer ist hier teilweise gut erhalten, ebenso wie in der Westlichen Stadtmauerstraße, die wir über den Fuchsengarten erreichen. Am ehemaligen E-Werk, seit 1982 als Kommunikations- und Kulturzentrum mit ganzjährigen Programmangeboten genutzt, schwenken wir links in die Engelstraße und biegen gleich danach rechts in die Hauptstraße ein. Interessant wäre es auch, kurz darauf rechts in die Heuwaagstraße und anschließend in die Goethestraße zu schlendern. Die Häuserfront ist hier, entsprechend der ursprünglichen Planung, noch sehr einheitlich. Dennoch wird das aufmerksame Auge manche Besonderheit entdecken, z. B. die steinernen Hauszeichen einer Bäckerei (Goethestraße 30), die Abbildung von Handschuhen (Goethestraße 44) und außerdem schöne Verzierungen im Mauerwerk oder Hinweise auf bedeutende Persönlichkeiten. Auf der Goethestraße kommen wir direkt zum Bahnhofplatz.

Gesehen haben wir von Erlangen natürlich längst nicht alles, wie beispielsweise die reich ausgestattete Neustädter Kirche, das Loewenichsche Palais mit dem Erlanger Kunstmuseum oder die Arcaden, den neuen Einkaufstempel der Hugenottenstadt. Doch das lässt sich bei einem späteren Besuch ja sicherlich nachholen.


Auszug aus dem Großstadt-Verführer Franken, S.131ff.

Bildrechte Panorama gemeinfrei

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