Großes Theater und kleine Bühnen

Ein Streifzug durch Bambergs Theaterlandschaft

  • Sibylle Friz
  • Klaus Karl Kraus
  • Theater Licht und Schatten
  • Silhouette Schattentheater
  • Der Sandmann
  • Die Zauberflöte

Nicht nur die Symphoniker machen die Stadt Bamberg zu einer kleinen Kulturmetropole, auch bei der darstellenden Kunst hat die Domstadt viel zu bieten. An die zehn Bühnen, dazu verschiedene Kleinkunstgruppen und natürlich das große E.T.A.-Hoffmann-Theater buhlen um die Gunst der Zuschauer. Und so haben auch Sie als Bamberg-Besucher die Wahl zwischen einem bunten Strauß an Aufführungen, von der Puppenbühne bis zum Schattentheater.

E.T.A. Hoffmann und Bamberg

Die Geschichte des Theaters in Bamberg beginnt im Jahr 1802. Damals ließ Reichsgraf Julius von Soden, Gutsbesitzer und preußischer Gesandter, die Gebäude am Schillerplatz, wo auch heute das E.T.A.-Hoffmann-Theater zu finden ist, zum Theater umbauen. Von Soden richtete zudem ein eigenes festes Ensemble ein – eine Besonderheit heute wie in der damaligen Zeit. Sechs Jahre später wurde E.T.A. Hoffmann musikalischer Leiter und blieb auch nach seiner baldigen Ablösung der Stadt und dem Theater bis 1813 eng verbunden. Neben Stücken von Pedro Calderón de la Barca kamen Werke von Goethe, Schiller, Kleist, Shakespeare und Goldoni zur Aufführung. Die Bühne konnte sich in den folgenden Jahrzehnten unter verschiedenen privaten Trägern halten, wurde aber schließlich von den Nationalsozialisten 1937 geschlossen.

Theater am Schillerplatz

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren im Großen Haus Flüchtlinge untergebracht, ein kleines Theaterensemble spielte an den verschiedensten Ausweichorten in der ganzen Stadt – der bekannteste dürfte der Saal der Mälzerei Weyermann sein. 1959 feierten die Bamberger die Wiedereröffnung am Schillerplatz und gaben dem Haus 1970 den Namen E.T.A.-Hoffmann-Theater. Die überfälligen Renovierungsarbeiten gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden von einem Gebäudebrand unterbrochen, der die Möglichkeit zu noch umfangreicheren Umbauen eröffnete. Seit 2003 verfügt das Bamberger Theater nun neben der Hauptbühne über eine Studiobühne, ein bespielbares Gewölbe und den „Treff“, in dem ebenfalls kleine Stücke zur Aufführung kommen können. Des Weiteren spielt das Ensemble jedes Jahr bei den Calderón-Spielen in der Alten Hofhaltung und auch immer wieder an anderen Orten wie zum Beispiel dem Sandkerwa-Festzelt oder der Zehntscheune der Klosterbräu. Regelmäßige Gastspiele, beispielsweise des Hofer oder Münchner Theaters, aber auch aus dem Ausland, ergänzen das vielfältige Programm.

Bamberger Marionettentheater

Das wohl gegensätzlichste Theater dazu in Bamberg ist das Bamberger Marionettentheater. In dem kleinen Saal in der Unteren Sandstraße finden nur knapp 30 Zuschauer Platz. Der Gründer und erste „Prinzipal“, Klaus Loose, stieß eher durch Zufall auf eine historische Puppenbühne, die er zusammen mit ein paar Requisiten und Kulissenteilen erwerben konnte. Nach eigenhändiger Restaurierung wurde die Bühne 1962 erstmals wieder mit dem Stück „Don Juan und der steinerne Gast“ bespielt. Seither wurde das Repertoire stets erweitert, so dass im Moment 12 Stücke im Wechsel gespielt werden. Sowohl die Puppen, wie auch die notwendigen Requisiten und Kulissen werden im eigenen Haus gefertigt. Der Zuschauer vergisst schnell, dass er „nur“ knapp 20 cm große Figuren vor sich hat, die an Fäden als Marionetten bewegt werden. Denselben Eindruck erlebt der Zuschauer in von Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“, das als Papiertheaterinszenierung zur Aufführung kommt, eine besondere Theaterspielkunst, die heute nur noch selten gepflegt wird. Eine kleine Sammlung teils historischer Papiertheaterbühnen und eine nostalgische Spielzeugsammlung bieten dem Gast in der Pause ebenso angenehme Kurzweil, wie die Räume des Theaters, die im romantischen Stil des 19. Jahrhunderts gehalten sind, entsprechend der Entstehungszeit der Bühne.

Buntes Theatertreiben am Michelsberg

Eine wieder komplett andere Theaterform bietet das Theater am Michelsberg. Ursprünglich Anfang des Jahrtausends von einem Verein als Galli-Theater gegründet, beschlossen die Bamberger 2007, eigene Wege zu gehen. Die bunte Truppe rund um das umtriebige und extrem wandlungsfähige Ehepaar Wagner-Zangl realisiert dabei neben Märchenklassikern, die auch schon in der Galli-Ära auf dem Programm standen, allerlei lustige und nachdenkliche Stücke rund um die Zwischenmenschlichkeit. Mal geht es um Geschlechtergegensätze und -kämpfe, dann um den irrwitzigen Alltag im Job und dann wieder um Gesellschaftskritik und aktuelle Themen von Hartz IV bis zur Lebensplanung. Hier sind Sie auf jeden Fall richtig, wenn Sie einen amüsanten Abend erleben und sich von der Frische und Lebendigkeit der Akteure anstecken lassen wollen.

Wo der „Bamberger Kasperl“ gastiert

Die Puppenbühne Herrnleben gehört zu den traditionsreichsten Puppenbühnen des Landes. Der Bamberger Volksschauspieler Hans Herrnleben gründete kurz nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 die Bühne zunächst als Marionettentheater, entschied sich aber schon drei Jahre später, auf Handpuppen umzusteigen. Mit Florian Herrnleben, der 1988 schon mit fünf Jahren der jüngste Puppenspieler Deutschlands war, steht bereits die vierte Generation hinter dem Vorhang. Selbst verfasste Stücke, oft rund um die von den Herrnlebens geschaffene Kultfigur des „Bamberger Kasperl“, kommen überall in der Stadt zur Aufführung, es gibt allerdings auch Hörspiele und immer wieder eine feste Bühne in der Stadt. Zielgruppe sind natürlich eher die Kinder, aber auch viele Erwachsene können sich dem Zauber des Puppenspieles nicht entziehen.

Einmaliges Erlebnis Schattentheater

Ein weiteres außergewöhnliches Theaterhighlight bietet das Theater der Schatten. Scheinbar unmögliche Lichteffekte, dreidimensionale Figuren, eine verschwimmende Grenze zwischen Zuschauerraum und Bühne – das gelingt Norbert Götz in faszinierender Art und Weise dadurch, dass er die traditionellen Elemente des Schattentheaters mit der modernen Technik wie LED kombiniert. Dabei agiert der Künstler vor allem vor der Bühne und trägt die verschiedenen Lichtquellen bei sich. Gespielt wird in der mittelalterlichen Katharinenkapelle am Domplatz, Eingang Alte Hofhaltung. Wer möchte, kann in verschiedenen Workshops auch selbst die faszinierende Kunst des modernen Schattentheaters erlernen.

Selbst damit nicht genug, Bamberg hat noch viele weitere Bühnen zu bieten. Ans Herz legen möchten wir Ihnen noch das Brentano-Theater des Schauspielers Martin Neubauer. Er hat in seinem privaten Traumtheater Platz für 32 Gäste, und die dürfen ihren Eintrittspreis am Ende der Vorstellung selbst bestimmen. Während im Brentano-Theater eher die leisen Töne angeschlagen werden, befasst sich Arnd Rühlmann in seinem nana theater überwiegend mit den lauten, um anspruchsvolle Theater- und Musikprogramme auf die Bühne zu bringen.

 
Der Großstadt-Verführer Franken


55 X VERFÜHRT BAMBERG
Bekanntes und weniger Bekanntes in der Weiterbestand für Gäste wie für echte Bamberger, 247 Seiten
ARSVIVENDI Verlag, 14,90 Euro
ISBN-13: 978-3869132037

E.T.A.-Theater E.T.A.-Hoffmann-Platz 1, 96049 Bamberg www.theater-bamberg.de

Bamberger Marionettentheater Untere Sandstraße 30, 96049 Bamberg www.bamberger-marionettentheater.de

Theater am Michelsberg Am Michelsberg 10f, 96049 Bamberg www.tam-bamberg.de

Puppenbühne Herrnleben Luisenstraße 14, 96049 Bamberg www.bamberger-kasperl.de

Theater der Schatten Katharinenkapelle am Domplatz, 96049 Bamberg www.theater-der-schatten.de

Bretano-Theater Gartenstraße 7, 96049 Bamberg www.kultur.bamberg.de

nana Theater e.V. Unterer Kaulberg 36, 96049 Bamberg www.nana-theater.de

 

Auszug aus 55 x verführt Bamberg, S.108-112 Redaktionell bearbeitet von Matthias Süß

Bildrechte ‚Frauentöne“ im nana: Sybille Friz • ‚Papa sag ja‘ im nana: Klaus Karl Kraus • Licht und Schatten, Silhouette: Norbert Götz • Der Sandmann, Die Zauberflöte: P. Eberts (Bamberg)

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