Die Bierhauptstadt

Ein Streifzug durch die Brauereien in Bamberg

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Es gibt Städte, die sich Bierstadt oder sogar „heimliche Hauptstadt des Bieres“ nennen, doch die Einzige, die diesen Titel verdient, ist Bamberg. Schließlich beheimatet die Stadt zehn Brauereien, ihr Landkreis nochmals gut 80, und ganz Oberfranken knapp 300. Und jede Braustätte stellt ihre eigene Gerstensaft-Palette her.

Was denken Sie, wie lange man beschäftigt ist, wenn man jeden Tag ein anderes Bier aus Oberfranken trinkt? Fast fünf Jahre! Nachdem die beiden Rauchbierbrauereien eigens vorgestellt werden, geben wir Ihnen im Folgenden einen Überblick zu den anderen acht Braustätten:

Ambräusianum

Der Großstadt-Verführer Franken


55 X VERFÜHRT BAMBERG
Bekanntes und weniger Bekanntes in der Welterbestadt für Gäste wie für echte Bamberger, 247 Seiten
ARSVIVENDI Verlag, 14,90 Euro
ISBN-13: 978-3869132037

Bambergs jüngste Brauerei ist zugleich eine der schönsten, zumindest für Touristen. Denn in der Gasthausbrauerei von Ambros Michael Mahr und seiner Frau Heike Görmann begegnen dem Besucher schon gleich beim Eintritt die zwei großen Kupferkessel, in denen drei klassische und drei saisonial gebraute Sorten Ambräusianum entstehen. Die Familie steht schon seit Generationen für die Bamberger Braukunst und hat 2004 mit dem Ambräusianum nun wieder zurück zu ihrer Bestimmung gefunden. Auf der Speisekarte finden sich spannende Biergerichte und Flammkuchenvariationen.

Dominikanerstraße 10, 96049 Bamberg www.ambraeusianum.de

Brauerei Fässla

Seit 1649 entsteht in dem kleinen Eckhaus in der Königstraße das beliebte Fässla-Bier. Senior Sebastian und sein Sohn Roland haben es in den letzten Jahren clever verstanden, viele Gastronomien in der Domstadt als Ausschankstätten zu gewinnen, aber auch die Brauereigaststätte selbst als lebendiges Zentrum der Bierkultur zu erhalten. So findet man hier noch jeden Tag die typischen Stammtischgäste, die sich während diverser Seidla Bier durch die Lokalpolitik diskutieren. Das Wasser fürs Bier kommt noch aus einem eigenen Tiefbrunnen und ist auch Hauptbestandteil von Bambergs stärkstem Bier, dem Bambergator, das zur Bockbierzeit ab Oktober erhältlich ist (21% Stammwürze und 8,5% Alkoholgehalt).

Obere Königsstraße 19-21, 96052 Bamberg www.faessla.de

Brauerei Greifenklau

In einer der kleinsten Bamberger Braustätten hat sich in den letzten Jahren ebenfalls viel getan. Papa Sigmund übergab die Brauerei an Sohnemann Sigmund, der als Biersommelier auch gleich eine ganze Palette neuer Spezialbiere aufgelegt hat. Überhaupt gehört das Brauerei-Kleinod auf dem Kaulberg (noch) zu den Geheimtipps in Bamberg, nicht zuletzt wegen des Biergartens mit dem schönsten Altenburgblick der Stadt. So richtig viel los ist zur Laurenzikerwa um den zweiten Sonntag im August.

Laurenziplatz 20, 96049 Bamberg www.greifenklau.de

Brauerei Kaiserdom

Die mit Abstand größte Braustätte der Stadt stellt mehr Bier her als alle anderen zusammen, aber verkauft weniger davon als jede der anderen – zumindest in Bamberg. Denn irgendwie hat sich das Kaiserdom-Bier aus dem 1972 gegen den Willen von 91% der Bevölkerung eingemeindeten Ortsteil Gaustadt immer noch nicht in Bamberg durchsetzen können. Eine klassische Brauereigaststätte im eigentlichen Sinn haben die Gaustadter auch nicht. Sie können das Kaiserdom-Bier aber in der Rathausschänke probieren.

Obere Brücke 3, 96047 Bamberg www.rathausschaenke-bamberg.com

Brauerei Keesmann

In der urigen Brauerei im Stadtteil Wunderburg entsteht seit 1867 unter anderem das bekannteste Pils der Stadt. Bamberger Herren Pils zeichnet sich durch aromatische, deutliche Hopfennoten aus und ist dadurch ein ganz besonderes fränkisches Pils. Natürlich polarisiert dieses Bier in einer Bierstadt, doch die eingefleischten Fans sind dafür fast täglich hier anzutreffen. Im Sommer verwandelt sich der klassische Brauereihof in einen zünftigen Biergarten, in dem man aber auch die Speisekarte aus der Brauereigaststätte genießen kann. Hier wird noch mit original Bamberger Hausrezepten gekocht.

Wunderburg 5, 96050 Bamberg www.keesmann-braeu.de

Klosterbräu

Bambergs älteste Braustätte kokettiert zwar gerne mit ihrem Namen, aber auch wenn hier seit 1333 Bier entsteht, gehörte die Brauerei nie zu einem Kloster. Immerhin übernahmen 1533 die Fürstbischöfe das Regiment und ließen ihren Gerstensaft bis 1790 hier brauen, bis nach einigen wechselnden Inhabern die Familie Braun 1851 die Brauerei übernahm. Sie machten auch die „Klosterbräu“ aus dem Betrieb und sind Namensgeber für den Klassiker namens Braunbier. Größtes Highlight ist der Bockbieranstich im Oktober, denn dann ist die historische Zehntscheune geöffnet, ein über 500 Jahre altes Fachwerkhaus, das zur Brauerei gehört.

Obere Mühlbrücke 1, 96049 Bamberg www.klosterbraeu.de

Mälzerei Weyermann

Bambergs Brauerei mit dem geringsten Ausstoß kann dafür wohl mit der größten Palette an Spezialbieren aufwarten. Denn in der Brauerei der Mälzerei Weyermann werden neben dem Klassiker Schlotfegerla nur Spezialbiere gebraut, die auch nicht immer nach dem bayerischen Reinheitsgebot hergestellt werden. Schließlich ist man Weltmarktführer in Sachen Spezialmalz und erfindet Rezepte für die Kunden aus aller Welt. Neben dem Weyermann Fan Shop bietet das Bamberger Café Abseits eine Auswahl aus den faszinierenden Bieren – am besten schauen Sie bei beiden vorbei. Für Gruppen gibt es auch Mälzereiführungen.

Brennerstraße 17, 96052 Bamberg www.weyermann.de

Mahr’s Bräu

Die 1602 gegründete Wunderburger Brauerei steht für das Bamberger Bier mit dem kürzesten Namen: U. Beim Brauen des Ungespundeten, kurz U, wird ein Großteil des entstehenden CO2 durch den Spundapparat abgelassen. Zudem wird das Bier nicht filtriert, weswegen es dem ursprünglichen Bamberger Kellerbier wohl am nächsten kommt. Die Fans genießen es am liebsten im Sommer in dem traumhaften Biergarten der Brauerei, aber auch im Winter lohnt sich der Besuch der urigen Gaststätte immer. Hier wird wie im Schlenkerla noch »bayerisch« ausgeschenkt – aus Holzfässern.

Wunderburg 10, 96050 Bamberg www.mahrs.de

Brauereimuseum

Das Fränkische Brauereimuseum bietet seit bald 30 Jahren in den Räumlichkeiten der ehemaligen Klosterbrauerei am Michelsberg eine eindrucksvolle Schau zur Bier- und Braugeschichte. Viele historische Ausstellungsstücke und der original erhaltene Eiskeller machen den Besuch zu einer kleinen Zeitreise, die so kein anderes Brauereimuseum bieten kann.

Michelsberg 10f, 96049 Bamberg www.brauereimuseum.de

Zum Schluss noch zwei Tipps: Es ist lieb gewordene Tradition, dass die Gäste als letztes Bier noch einen „Schnitt“ bestellen. Das ist dann ein nicht mehr ganz gefüllter Krug zum Sonderpreis, den es aber nur einmal gibt, eben als Absacker zum Schluss. Wenn Sie noch mehr zum Thema Bier und Bamberg lernen möchten, empfehlen wir Ihnen die Bierakademie, die Ihnen viele Kurse und Veranstaltungen rund um das Lieblingsgetränk der Franken bietet.

Karten und Infos über www.bierakademie.net oder die Tourist-Info in der Geyerswörthstraße.

Auszug aus 55 x verführt Bamberg, S.120-125

Bildrechte: Altstadt Bamberg: Bbb/CC BY-SA 1.0

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