Hannovers Rathaus vor dem Maschteich

Hannover – Guide

Hannover ist die Stadt mit der grünen Lunge

Als Landeshauptstadt und Messestadt weckt Hannover Erwartungen von regem, großstädtischem Treiben. Und dennoch gibt es hier – wie vielleicht in keiner anderen Stadt – die Möglichkeit, im Grünen einmal so richtig abzuschalten. Hannover bietet davon reichlich: Ob im Stadtpark, den Stadtteilparks oder den Gärten des barocken Herrenhausens, ein grünes Fleckchen ist überall zu finden.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Hannover ist eine lebendige Großstadt, aber keine wie jede andere. Das liegt zu einem großen Teil an den charmanten Eigenheiten der einzelnen Stadtteile, die jeweils ganz individuelle Charakterzüge tragen – vom innerstädtischen Trubel über familienfreundliche Beschaulichkeit bis zur naturnahen Entspannung ist alles geboten.
  • Vereint werden die Stadtbezirke jedoch von der für Hannover typischen Nähe zum Grünen. Die Parks, Gärten und Wälder prägen das Stadtbild enorm und erlauben einen schnellen Wechsel zwischen Stadtleben und Naturerfahrung.

 

 

 

Hannovers viele Gesichter: Mehr als nur eine Messestadt

Bei den meisten Menschen dürfte sich der Wissensstand zur niedersächsischen Hauptstadt vermutlich auf einige wenige Fragmente herunterbrechen lassen: Hannover hat den Status Messestadt, daran wird sich der eine oder andere womöglich erinnern, weil dort im Jahr 2000 die Expo stattgefunden hat. Es gibt dort einen Fußballverein und die Stadt gilt als die Wiege des Hochdeutschen. Danach wird es unter Umständen schon vage.

Allerdings wäre es überaus ungerecht und schade, es bei diesem Kenntnisstand zu belassen, denn Hannover ist weitaus mehr als Landeshauptstadt, Messestadt und sprachliches Vorbild. Die Stadt ist vielseitig und will entdeckt werden. Nicht alle der beliebtesten Spots von Hannover sind so offensichtlich zu finden wie das Rathaus. Ein kurzer Gang durch die verschiedenen Stadtteile zeigt, wo sich das Verweilen in besonderem Maße lohnt. Am einfachsten lassen sich die einzelnen Bezirke von Hannovers Mitte aus erkunden – besonders Zugreisende werden ohnehin genau dort landen.

Blick auf Hannover aus der Vogelperspektive

Das weitläufige Hannover hat mehr zu bieten als ein flüchtiger Messebesuch erahnen lässt.

Calenberger Neustadt

Das Zusammenwirken von Leime, Ihme und dem Schnellen Graben macht aus der Calenberger Neustadt sozusagen eine zentral gelegene Insel in Zentrumsnähe. Tatsächlich liegt Hannovers „größte Insel“, wie der Stadtteil hier liebevoll genannt wird, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt – kaum verwunderlich, denn als das alte Hannover seinerzeit anfing zu wachsen, siedelten sich viele Menschen auf dem Gebiet der heutigen Neustadt an.

Die enge (historische) Verbindung lässt sich auch an den Verbindungspunkten von Rotem und Blauem Faden ablesen. Beide sind Hilfsmittel für Besucher, die anhand dieser beiden Fäden (rot für die Altstadt, blau für die Neustadt) zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten geführt werden. Beide Fäden stehen rund um die Uhr zur freien Verfügung bereit –  sie sind gut sichtbar auf das Straßenpflaster gemalt. Wem der eigenverantwortliche Informationsgewinn nicht ausreicht, kann die Erkundungstour zum Beispiel mit der passenden App erweitern (vorläufig nur für den Roten Faden).

Alternativ bietet die Calenberger Neustadt vielerlei Gelegenheiten, um zu entspannen und es sich richtig gut gehen zu lassen. Etwa am Strand, den es trotz der Entfernung zur Nordsee in einem weniger stürmischen Rahmen entlang der Ufer von Ihme und Leine zu entdecken gibt. Im Beachclub „Strandleben“ ist die richtige Verpflegung geboten.

Überhaupt ist hier gut für das leibliche Wohl gesorgt, entweder ganz traditionell im Waterloo-Biergarten – der älteste der Stadt und nicht nur für Fußball-Fans auf dem Weg zum Stadion einen Besuch wert – oder zur Abwechslung bei Salsa- und Merengue-Klängen im BocaChica, inklusive den Feinheiten der karibischen und dominikanischen Küche. Überhaupt dürfte es keinerlei Problem sein, ein Restaurant oder einen Club zu finden, der den eigenen Bedürfnissen gerecht wird.

Linden

Den Lindenern wiederum mangelt es vor allem nicht an Selbstbewusstsein, jedenfalls ist nur so deren Abneigung zu erklären, ihren Bezirk als Stadtteil von Hannover zu bezeichnen. Das ist wiederum nachvollziehbar, weil es Linden wirklich an nichts mangelt. Kneipen, Cafés, Restaurants, viele davon genießen Kult-Status, Shopping-Möglichkeiten und Kulturprogramm sind vorhanden.

Dazu zählt ganz bestimmt das Béi Chéz Heinz, in dem laut eigener Aussage „angenehme Menschen“ feiern können. Einfach so. Oder im Rahmen eines der vielen Konzerte. Oder bei einer der regelmäßig stattfindenden Zaubershows (die im Übrigen immer Open Stage sind und wagemutigen/magisch begabten Besuchern die Möglichkeit eines öffentlichen Auftritts bieten).

Hannover bei Nacht. Im Vordergrund die farbig beleuchtete Hannover Powerplant.

Hannover bietet auch bei Nacht einen faszinierenden Blick über die Innenstadt und den Maschsee.

Wen es eher auf eine noch größere Bühne zieht, der dürfte sich im Kulturzentrum Faust bestens aufgehoben fühlen. Das Programm beschränkt sich ganz und gar nicht allein auf Theateraufführungen, wie es der Name nahelegen könnte. Vielmehr findet hier von Konzerten über Partys bis hin zu Ausstellungen eine breitgefächerte Palette von Veranstaltungen statt. In den wärmeren Monaten bietet sich außerdem ein Ausflug in den nahegelegenen Biergarten Gretchen an.

Nordstadt

In der Nordstadt feiert man vor allem den Individualismus, allerdings ohne sich selbst dabei allzu wichtig zu nehmen. Also leben die Studenten der Leibniz-Universität hier Seite an Seite mit jungen Familien und den alteingesessenen Nordstädtern. Sie alle erfreuen sich gleichermaßen an den wunderbaren Möglichkeiten, im Grünen zu entspannen, zum Beispiel im Welfengarten oder im sehr beliebten Georgengarten. Dieser liefert mit dem Leibniz-Tempel, der direkt an einem kleinen See gelegen ist, auch gleich eines der beliebtesten Fotomotive in Hannover.

Wem der Sinn nicht nach Picknick im Park steht, findet sicher ein Plätzchen in einem der zahlreichen Bistros oder Cafés. Ob im 24grad oder bei den Soup Sisters auf dem Engelbosteler Damm, im Seventies-Style in der S-Bar an der Lutherkirche oder doch traditionell-rustikal in der Gaststätte Kaiser und kaum weniger traditionsreich im Klein Kröpcke – für jede Gelegenheit und jeden Gaumen lässt sich die passende Lokalität finden. Das gilt in gleicher Weise für das Abendprogramm, das mit dem Musikzentrum, dem Unabhängigen Jugendzentrum Kornstraße, dem Schwule Sau und dem Weidendamm Unterhaltung für so ziemlich jeden (Musik-)Geschmack bietet.

List

Die List ist weniger alternativ, dafür etwas ruhiger und daher wie gemacht für Familien. Bürgerlichkeit in ihrer angenehmsten Form bedeutet, dass es hier etwas beschaulicher zugeht. Dennoch bietet das Viertel viele Gelegenheiten, an denen auch einmal eine Nacht durchgefeiert werden kann. Dazu gehört gehört unter anderem der Zaza-Club hinter dem Raschplatz.

Darf es zur Einstimmung ein Cocktail sein? Dann besuchen Sie die Lounge der Auszeit oder die mexikanische Cocktailbar Pepe’s. Wer keine Party-Ambitionen hegt, kann hier auch seinen ganzen Abend verbringen; für musikalische Untermalung ist gesorgt und vor allem die umfassende Cocktail-Karte bei Pepe (über 100 verschiedene Getränke stehen zur Auswahl) lädt zum längeren Verweilen und Verkosten ein.

Weniger nachtaktive Menschen nutzen stattdessen lieber die besonderen Shopping-Möglichkeiten der List: Das Looms, das Dithmar’s – welches sich als „das etwas andere Kaufhaus“ bezeichnet – oder die Atelier- und Showräume von Suse Schneeweiß treffen mit ihrem Sortiment den eher besonderen Geschmack. Auf der Suche nach extravaganten Accessoires, Möbeln oder Kleidungsstücken werden Einkäufer mit dem Wunsch nach etwas Besonderem hier sicher fündig.

Abgesehen davon liegt die Möglichkeit zur Stadtflucht gewissermaßen direkt vor den Lister Türen. Als Europas größter Stadtwald ist die Eilenriede die perfekte Gelegenheit, um einfach in die Natur hinauszugehen oder ein sportliches Ausgleichsprogramm zum Alltag zu starten.

Südstadt

Noch mehr Natur bietet Ihnen die Südstadt. Hier treffen Stadtwald und Maschsee aufeinander und machen aus dem Stadtteil ein einziges Naherholungsgebiet. Viel Grün und Wasser (insgesamt 78 Hektar) machen fast die gesamte Südstadt zur Ruheoase. Bei einem gemütlichen Spaziergang entlang des Seeufers oder während einer Pause in einem der umliegenden Gastronomiebetriebe ist statt Hektik und Alltagsstress total Entspannung angesagt.

Blick auf den Maschsee. Im Vordergrund einige Wassersportler.

Der Maschsee ist ein einzigartiges Erholungsgebiet. Hier treffen Grün und Wasser aufeinander und lassen den Rummel der Großstadt vergessen.

Von regionaler Küche im Högers 1910 über gehobene italienische Gerichte im Ristorante Italiano „Das Abendmahl“ (stilecht umgeben von Meisterwerken der italienischen Malerei) bis hin zu biologisch-veganer Thai-Küche und hausgemachtem Kuchen im Café Gleichklang ist viel Abwechslung geboten. Wer in den Restaurants und Cafés trotz aller kulinarischer Vielfalt nicht fündig wird, sollte sein Glück auf Hannovers größtem Wochenmarkt versuchen. Dieser findet jeden Freitag am Stephansplatz statt.

Den Tag ausklingen lassen sollte man in der Südstadt bei einem Cocktail im Glüxkind oder in der Bar Seña. Die Eisfabrik vereint ein breites kulturelles Angebot, denn hier finden Sie Kunst, Musik und die aufregenden Darbietungen des Theaters Commedia Futura. Aber auch der Weg ins Hannoveraner Herz ist nicht weit, von der Südstadt aus ist das Zentrum in wenigen Minuten zu erreichen.

Zooviertel

Ähnliche Bedingungen finden Hannover-Besucher im Zooviertel vor, in den sich der Stadtwald Eilenriede erstreckt. Hier befindet sich mit dem Seilgarten ein echtes Highlight für Kletter-Fans. Neben einheimischer Fauna sind in diesem Stadtteil auch exotische Tiere untergebracht. Diese sind allerdings nicht in freier Wildbahn anzutreffen, sondern bevölkern den Erlebnis-Zoo Hannover. Noch mehr Grün, in diesem Fall aber liebe- und kunstvoll von Menschenhand gepflegt, gibt es im Stadtpark.

Darüber hinaus verfügt das Zooviertel mit der HMTMH (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) und dem HCC (Hannover Congress Centrum) über zwei exzellente Veranstaltungsorte für musikalische Events oder rauschende Feste und Partys.

 

Es grünt so grün: Parks, Wälder, Barockschlösser

Der kleine Rundgang durch einige von Hannovers Stadtbezirken dürfte deutlich gemacht haben, wie prägend die Gärten, Parks und Wälder für das Stadtbild sind. In kaum einer anderen Stadt dürfte das Verhältnis von urbanen Strukturen zur Natur derart eng verwoben sein wie in der niedersächsischen Hauptstadt. Und jede einzelne der Grünanlagen hat eine ganz eigene Bedeutung für die Stadt.

100 Jahre Parkgeschichte: Der Stadtpark von Hannover

Seit inzwischen mehr als 100 Jahren steht der Stadtpark von Hannover für gelebte Gartenkultur. Während seines langes Bestehens wurde der Park immer wieder neu erfunden, vom streng angeordneten, vornehmen Wirtschaftsgarten der Anfangstage bis zum vielseitigen Garten-Ensemble, das er heute darstellt. Dass sich die jeweils zeitgenössischen Wandlungen – etwa der Fontänengarten der 1960er Jahre oder der Japanische Teegarten, der 1996 eröffnet wurde – in das Gesamtbild einfügen, macht den Stadtpark von Hannover nicht nur zu einem beliebten Ausflugsziel, sondern zudem zu einem lebendigen Kulturdenkmal.

Hannovers Stadtpark mit seiner blühenden Flora

Der Stadtpark von Hannover befindet sich im stetigen Wandel. Er dient den Stadtbewohnern als Treffpunkt für eine Auszeit im Grünen.

Europas größter Stadtwald: Die Eilenriede

Die Eilenriede fand bereits mehrfach Erwähnung, was nicht zuletzt an ihrer prägnanten Erscheinung innerhalb des Stadtgebietes liegt – immerhin erstreckt sich Europas größter Stadtwald über rund 640 Hektar. Mehr als 600 Jahre ist die Eilenriede inzwischen in städtischem Besitz, was seit jeher mit der Auflage verbunden war, sie zu pflegen und zu erweitern.

Das Labyrinth in Hannovers Stadtwald Eilenriede

Die Eilenriede ist Europas größter Stadtwald. Die gepflegten Lichtungen laden zum Verweilen ein.

Gleichzeitig wurde der Wald in dieser Zeit für die Bürger erschlossen, die nun auf einem ausgedehnten Wegenetz die Eilenriede erkunden, sich auf Ruhebänken und Liegewiesen ausruhen oder sich – sofern das Alter es noch zulässt – auf den Spielplätzen vergnügen können. Der Wald ist somit in mehr als einer Hinsicht ein zentraler Bestandteil Hannovers.

Herrschaftlich: Die Herrenhäuser Gärten

Ein Stück Versailles, mitten in Niedersachsen – der Eindruck könnte beim Anblick der barocken Herrenhäuser Gärten entstehen. Den Vergleich mit den Gartenanlagen des französischen Königs müssen sie jedenfalls nicht scheuen, was ebenso für das wiedererrichtete Schloss Herrenhausen gilt. Und weil das gesamte Ensemble ein so überaus schönes Beispiel für barocke Schloss- und Gartenarchitektur ist, findet es nach wie vor großen Anklang bei der Bevölkerung. In den Sommermonaten können sich Besucher über Gartenfeste, Theateraufführungen und den Internationalen Feuerwerkswettbewerb vor einer einzigartigen Kulisse freuen.

Hannovers Schloss Herrenhausen mit Schlossgarten im Vordergrund

Die Herrenhäuser Gärten erinnern an die großen Gartenanlagen von Versailles. Am Barocken Schloss lässt sich die eine oder andere angenehme Stunde verbringen.

 

 

Zusammenfassung

So individuell wie seine Besucher präsentieren sich auch Hannovers Stadtteile. Deshalb dürfte sich jeder verweilende Reisende hier wohl fühlen, ob er nun auf der Suche nach gutem Essen, Unterhaltung oder einfach nur Ruhe ist. Besonders für Unentschlossene, die sich nicht recht zwischen City-Trip oder Ausflug in die Natur entscheiden können, bietet Hannover praktischerweise gleich beides – in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander.

 

 

 

Von am 4.08.2017 unter HOTEL DE Blog - Reise und Lifestyle veröffentlicht.