Geländer mit Brailleschrift

Barrierefreie Hotels für Gäste mit sensorischer Behinderung

Blindenhotel & Gehörlosenhotel: Unbeschwert unterwegs

Für Menschen mit eingeschränkter Sinneswahrnehmung ist es wichtig, dass sie bedeutende Informationen trotz ihrer Behinderung intuitiv und schnell erfassen können. Das betrifft in einem Blindenhotel beispielsweise vor allem Auskünfte, die der Orientierung dienen oder Anweisungen für den Notfall. Barrierefreie Hotels können dies mit einer Reihe von Maßnahmen gewährleisten.

In diesem Artikel erfahren Sie, dass

  • Sehbehinderte sich vor allem an Kontrasten und Oberflächen orientieren.
  • Hörgeschädigte optisches Feedback und Signale benötigen.
  • im Notfall wahrnehmbare Signale immens wichtig sind.

Vorkehrungen für sehbehinderte und blinde Gäste

Sehbehinderte und blinde Hotelgäste können sich nicht oder nur eingeschränkt visuell orientieren. Im Extremfall sind sie auf Hilfsmittel wie einen Blindenstock oder einen Blindenhund angewiesen. Notwendig sind für barrierefreie Hotels außerdem oft Leitsysteme und taktile (ertastbare) Orientierungshilfen. Wichtige Informationen an Blinde werden in der Regel über die Blindenschrift Braille oder akustisch weitergegeben. Die Brailleschrift vermittelt Informationen über erhabene und damit -fühlbare Punkte. Genauere Informationen und Richtlinien dazu können Sie hier nachlesen.

Schon im Außenbereich der Unterkunft müssen mindestens 120 cm breite Wege mit -fühlbaren Begrenzungselementen vorhanden sein oder Leitstreifen nach DIN 32984. Der Zugang zum Hotel darf nicht durch eine Rotationstür erfolgen, weil Sehbehinderte diese nicht gefahrlos nutzen können. Außerdem muss der Eingang durch einen Wechsel des Bodenbelags spürbar sein. Dasselbe gilt für den Weg vom Eingang zur Rezeption – der Gast soll direkt und sicher dorthin kommen.

Blindenhotel: Gestalterische Aspekte von Hotels für Sehbehinderte

Sehbehinderten wird im Allgemeinen durch Farbkontraste und helle, blendfrei ausgeleuchtete Räume geholfen. Sie merken sich auffällige Kontraste und finden sich mit deren Hilfe zurecht.

Folgende Elemente sollten in einem Blindenhotel in stark kontrastierenden Farben gestaltet werden:

  • Türen
  • Einrichtungsgegenstände
  • Raumübergänge
  • Kanten
  • Wegbezeichnungen

Zudem muss sich die Helligkeit dieser Farben signifikant unterscheiden. Komplett weiße Sanitärräume beispielsweise stellen ein großes Problem für Sehbehinderte dar. Auch die Verletzungsgefahr der Gäste z. B. an Türrahmen mindert sich erheblich durch Kontraste.

Für Schilder ist Ähnliches zu beachten. Große Buchstaben in einer schnörkellosen Schriftart in starkem Helligkeitskontrast erleichtern die Wahrnehmung. Zimmernummern, Hinweise und die Beschriftung von Funktionsräumen (z. B. WC, Restaurant) müssen darüber hinaus als Relief gestaltet sein. Essentielle Hinweise, die mehr als Zahlen, Piktogramme und Abkürzungen enthalten, müssen zusätzlich in Brailleschrift angebracht werden. Dies gilt insbesondere für Notausgänge, aber auch für Raumbezeichnungen im Blindenhotel.

Informationstafel in serifenloser Schrift und Braille

Wichtige Informationen sollten im Blindenhotel auch in Braille verfügbar sein.

Speise- und Getränkekarten im Blindenhotel sollten ebenso in leicht lesbarer und schnörkelloser Schrift gestaltet sein, die sich gut vom Hintergrund abhebt. Blinde benötigen eine solche Karte in Brailleschrift oder ersatzweise eine Karte auf der Homepage der Unterkunft, damit sie z. B. vorher jemand vorlesen kann.

Für transparente Glaswände, Ganzglastüren und großflächig verglaste Türen gelten besondere Vorschriften. Sie müssen mit mindestens 8 cm hohen, kontrastreichen Sicherheitsmarkierungen in Streifenform oder Ähnlichem über die gesamte Glasbreite ausgestattet sein (siehe DIN 32975). Des Weiteren sollten die Streifen unterschiedliche Helligkeiten aufweisen und in einer Höhe von 40-70 cm bis 120 – 160 cm vom Fußboden aus angebracht werden. Eine ausführliche Erläuterung zum Thema Kontraste bzw. DIN 32975 gibt es hier.

Barrierefreie Hotels: Taktile Markierungen

Der zweite wichtige Anhaltspunkt für Sehbehinderte sind spürbare Oberflächenunterschiede. Beispielsweise sollten auf Wegen verschiedene Bodenbeläge (etwa Teppich und Fliesen) Raumübergänge markieren oder Richtungen bei sich kreuzenden Wegen anzeigen. Substanzielle Materialwechsel bezeichnet man als Aufmerksamkeitsfelder. Sie signalisieren dem Sehbehinderten, dass er hier Acht geben muss.

Treppen müssen sowohl optisch als auch taktil angekündigt werden, beispielsweise mit einem andersfarbigen, weicheren Bodenbelag. Gleiches gilt für Stufenkanten, die zudem rutschhemmende Eigenschaften aufweisen sollten. Handläufe erhöhen die Sicherheit auf Treppen zusätzlich, sie sollten möglichst 30 cm über das Treppenende hinausreichen. Ergänzend können sie auch mit Informationen in Brailleschrift versehen werden.

Barrierefreie Hotels: Optische und taktile Treppenabsätze im Blindenhotel

Optisch und taktil auffällig gestaltete Treppen sind eine große Hilfe für sehbehinderte Gäste.

Für Möbel und Einrichtungsgegenstände gilt: Sicherheit ist gewährleistet, wenn der Gast sie mit seinem Blindenstock ertasten kann. Unverstellte Wände sind aber unter Umständen notwendig, wenn sie für Sehbehinderte die einzige Führungsmöglichkeit darstellen. Freie Flure verhindern zugleich, dass Gäste stolpern und sich verletzen. Konkret sollten Möbel in ihrer gesamten Breite auf dem Fußboden oder auf einem 3 cm hohen Sockel stehen, der so groß ist wie das Möbelstück. Alternativ können sie auch einen durchgängigen Freiraum über dem Fußboden von maximal 10 cm haben. Der blinde Gast stößt dann mit seinem schräg geführten Blindenstock aus sicherer Distanz an.

Weitere Aspekte barrierefreier Hotels für Sehbehinderte

Prinzipiell ist es also am besten, den Tast- und den Sehsinn anzusprechen. Das gilt für die Innengestaltung der Unterkunft, aber besonders für Bedienelemente wie etwa Lichtschalter, Steckdosen und Notruftaster. Sie sollten kontrastreich und taktil erfahrbar gestaltet sein. Der Gast muss mögliche Rückmeldungen, die vom Schalter ausgehen, wahrnehmen können. Das kann zum Beispiel über taktiles Feedback geschehen. Informationen, die so nicht vermittelt werden, sollten wenigstens akustisch wahrnehmbar sein, beispielsweise bei der Haltansage im Aufzug. Unbedingt erforderlich ist das im Notfall.

Vorkehrungen für Hörgeschädigte und Gehörlose

Hörgeschädigte und gehörlose Hotelgäste sind darauf angewiesen, wichtige Informationen auf einem nicht-akustischen Weg mitgeteilt zu bekommen.

Das beginnt schon an der Rezeption, wo grundlegende Dinge kommuniziert werden. Induktive Höranlagen erleichtern hier den Austausch. Sie bestehen aus einem Induktionsempfänger, den der Gast trägt und einer im Raum verbauten Induktionsschleife. Diese Schleife kann je nach Raum verschieden groß ausfallen und macht, vereinfacht gesagt, das Audiosignal aus einer elektrischen Quelle mittels Induktion für den tauben Gast wahrnehmbar.

Barrierefreie Hotels müssen wesentliche Informationen schriftlich und klar verständlich wiedergeben können. Das betrifft besonders Informationen, an denen sich der Gast schnell orientiert, beispielsweise zur Struktur der Unterkunft, Fluchtwegen oder Verhaltensanweisungen.

Visuelle Anzeigen und optische Signale

Nonverbale Kommunikation mit dem Hörgeschädigten findet über visuelle Anzeigen und optische Signale statt. Visuelle Anzeigen sind allgemein gesagt elektronische Tafeln mit Texten. Darüber kommuniziert beispielsweise der Gast mit dem Nachtdienst. Er klingelt, bekommt Anweisungen via Anzeige und antwortet per Knopfdruck oder Eingabefeld. Als Alternative dazu sind Faxgeräte oder ein Internetanschluss (bzw. WLAN) verwendbar.  Durch diese kann der Hörgeschädigte auch unkompliziert mit dem Umfeld in Kontakt treten.

Barrierefreie Hotels: Telefon für Hörgeschädigte mit Texteingabe im Blindenhotel

Telefone für Hörgeschädigte helfen bei der Kommunikation.

Optische Signale dienen dazu, das Klingeln des Telefons, Klopfen an der Tür und ähnliche Rufzeichen zu vermitteln. Diese sollten möglichst in allen Zimmern wahrnehmbar sein. Dabei ist die optische Wiedergabe von Alarmsignalen oder Ähnlichem unabdingbar. In Sanitärräumen und Wohnbereichen müssen eindringliche Signale auf Gefahrensituationen, z. B. Feuer, aufmerksam machen. Auch Notrufe, die der Gast selbst absetzt, z. B. aus dem Fahrstuhl, benötigen optisches Feedback. Idealerweise geschieht dies über ein Schriftfeld.

Barrierefreie Hotels: Weitere Aspekte für Gehörlose

Hörbehinderte bringen häufig elektronische Geräte zu ihrer Unterstützung mit, weshalb eine freie Steckdose im Schlaf- und Aufenthaltsbereich Pflicht ist. Fernsehgeräte müssen einen Videotext-Decoder aufweisen, weil Hörbehinderte zum Verständnis Untertitel benötigen. Wenn Tische mit Lampen ausgestattet sind, sollten diese nicht das Gesicht des Gegenübers verdecken, weil Hörgeschädigte auch von den Lippen lesen. Barrierefreie Hotels sollten Gästebereiche zudem nach Möglichkeit frei von Umgebungsgeräuschen halten, da diese Konversationen stören. Räume mit viel Hall und zusätzlicher Beschallung sind dabei grundsätzlich problematisch.

Menschen mit teilweise eingeschränkter Sinneswahrnehmung brauchen also verstärkte Signale in einer speziell auf sie zugeschnittenen Umgebung. Die Bedürfnisse gehörloser und blinder Hotelgäste reichen ein Stück weiter: Sie können sich nur mit Hilfe des jeweils anderen Sinnes orientieren. Grundsätzlich sollte immer die Sicherheit dieser Gäste im Vordergrund stehen, besonders im Notfall. Es gilt, Verletzungsrisiken zu minimieren und allgemein für das Wohlbefinden und die Sicherheit der Gäste zu sorgen.

Von am 19.12.2017 unter Hotel und Reise veröffentlicht.